Träume sind wie leise Botschaften aus unserem Inneren. Manchmal sind sie klar, manchmal chaotisch, und oft vergessen wir sie, noch bevor der Tag richtig beginnt. Ein Traumtagebuch hilft dir, diese feinen Impulse festzuhalten, deine Intuition zu schulen und wiederkehrende Themen zu erkennen. Viele erleben dadurch mehr Klarheit, Kreativität und eine tiefere Verbindung zu sich selbst.
Wieso ein Traumtagebuch?
Ein Traumtagebuch zu führen, hat viele Vorteile. Zum einen ist es eine Routine, die dabei hilft, guten Schlaf zu priorisieren. Durch die ritualisierte Handlung des morgendlichen Schreibens tritt man in Kontakt mit sich selbst, wenn man noch am sensibelsten und offensten ist: direkt nach dem Aufwachen. Nicht nur körperlich trittst du in Kontakt mit dir selbst, auch dein Unterbewusstsein ist in den kurzen Momenten nach dem Aufwachen noch sehr präsent. Schließlich arbeitet es die ganze Nacht in deiner Traumwelt, auch wenn du dich nicht oder nur an einen winzigen Bruchteil erinnern kannst. Die Erinnerung an deine Träume kann psychologische Aufschlüsse über die Prozesse deines Unterbewusstseins ergeben. Deshalb sind Traumtagebücher besonders in der Psychologie ein wertvoller Teil der verschiedener Behandlungsmethoden. Aber auch im persönlichen Leben, ohne Behandlung, kann das führen eines Traumtagebuches sehr wertvoll sein. So führten zum Beispiel viele Künstler, Schriftsteller und berühmte Persönlichkeiten Traumtagebücher.
Mellis Erfahrung & Perspektive
Traumtagebücher faszinieren mich schon seit ein paar Jahren, jedoch habe ich in der Vergangenheit nur über einen kurzen Zeitraum ein Traumtagebuch geführt. Bis heute begleiten mich einige der damals geträumten und erinnerten Träume als fester Teil meiner Erinnerung. Vor ein paar Wochen habe ich wieder damit angefangen. Der hier von mir verfasste Artikel beschäftigt sich mit verschiedenen Perspektiven auf Traumtagebücher. Zu Beginn möchte ich dir auch meine Perspektive als Künstlerin erzählen.

Woher kommen die größten Ideen und Werke der Menschheit? Wieso gelingt es einigen wenigen Individuen, wie in einem von außen geleiteten Fluss Neues zu schaffen? Und wie kann ich selbst in diesen Fluss geraten? Diese Fragen beschäftigen mich schon mein gesamtes Leben durch meinen eigenen künstlerischen Prozess hindurch. Alles was mich umgibt ist Inspiration: Die physische Welt, Emotionen, Gedanken, Gespräche… Rick Rubin beschreibt es in seinem Buch “The Creative Act“ als den ständigen Kontakt und Austausch mit Source – die Quelle jeder Inspiration. Er betont, wie bereichernd es sein kann, seine eigene Rezeptivität möglichst offen für die Einflüsse unserer Umwelt zu halten, um so die Kreativität zu steigern. (1)
In meinem Traumtagebuch beschäftige ich mich weniger mit der Interpretation meiner Träume und behandle sie mehr als eine Chance, um auch diesen (sonst verborgenen) Ort der Inspiration für meine Kunst zu nutzen. Ich sehe den Versuch des morgendlichen Erinnerns als ein Training, um alle Teile meines Selbst kennenzulernen, auch die unterbewussten und unkontrollierbaren.
Traumforschung
Die Traumforschung basiert auf groß angelegten Studien mit gezielten Umfragen zur Traumerinnerung. Die wichtigsten Erkenntnisse sind zum Beispiel, dass die Traumerinnerung zunimmt, je häufiger man seine Erinnerungen testet. (2) Es ist bewiesen, dass “die bewusste Beachtung der Träume bei vielen Menschen zu einer deutlichen Steigerung der Traumerinnerung führt”. (2 S. 192)
Es wurde festgestellt, dass Frauen sich etwas häufiger an Träume erinnern als Männer. (2) “Bisher wurde nur der Faktor »Beschäftigung mit Träumen« als erklärender Faktor für diesen Geschlechtsunterschied identifiziert. (2 S. 192)
Es gibt sehr viele Faktoren, die beeinflussen können, wie gut wir uns an unsere Träume erinnern, z. B. “Persönlichkeitsdimensionen wie Offenheit für Erfahrungen, Kreativität, Schlafverhalten, Interesse an Träumen”. (2 S. 191)
Schritt für Schritt Anleitung für dein Traumtagebuch
Lege dir am Abend ein Notizbuch direkt neben das Bett, am besten mit einem Stift griffbereit. So kannst du gleich nach dem Aufwachen schreiben, ohne lange überlegen zu müssen. Bleib morgens einen Moment ruhig liegen und spüre nach, was noch da ist. Oft tauchen zuerst nur Bilder, Gefühle oder einzelne Wörter auf. Notiere dir Stichworte, trotz Müdigkeit ;).
Wenn du etwas mehr Zeit hast, kannst du den Traum weiter ausformulieren: die Handlung, Menschen, Orte, Farben oder Stimmungen. Besonders wertvoll sind die Gefühle im Traum, sie geben oft mehr Hinweise als der Inhalt selbst. Ein Datum oder ein kurzer Titel kann helfen, den Traum später leichter wiederzufinden. Wenn dir Symbole oder Themen auffallen, die öfter auftauchen, kannst du sie markieren.
Auch kleine Traumfragmente zählen. Selbst ein einzelnes Bild oder ein Gefühl ist willkommen. Wenn du gerne zeichnest, kannst du Skizzen ergänzen oder Formen festhalten. Interpretieren kannst du, musst du aber nicht. Beobachte einfach, was sich über die Zeit zeigt, und was für dich sinnstiftend ist.
Tiefenpsychologie und Traumdeutung
Wahrscheinlich erfahren unsere Träume, und die Erinnerung daran, in der Psychologie am meisten Beachtung. Besonders in der Tiefenpsychologie nutzt man die Traumerinnerung, um Prozesse im Unterbewusstsein sichtbar zu machen. Die Tiefenpsychologie besteht aus drei verschiedenen Ansätzen: der Psychoanalyse (Freud), der Analytischen Psychologie (Jung) und der Individualpsychologie (Adler).
Der hier folgende, sehr kurze, Einblick in die Annahmen von Freud und Jung soll dich ein wenig dabei unterstützen, über den Nutzen und die Bedeutung von Traumtagebüchern nachzudenken. Dabei spielt es keine Rolle, ob du selbst schon mal Erfahrung mit den Behandlungsmethoden aus der Psychologie gemacht hast. Sie sind letztlich nur ein möglicher Weg, um von deinem Traumtagebuch Gebrauch zu machen.
Psychoanalyse (Freud):
Aus der psychoanalytischen Perspektive entstehen heutige Probleme aus verdrängten Kindheitserfahrungen und inneren Konflikten. Ziel ist es, diese unbewussten, oft sexuellen oder aggressiven, Anteile offenzulegen. (3)
Sigmund Freud legte mit der Veröffentlichung des Buches “Traumdeutung” 1900 die Grundlage für die Psychoanalyse. (4).
Sigmund Freud beschreibt Träume als verschlüsselte Wunscherfüllungen. Besonders betont er, dass viele Träume, selbst jene, die auf den ersten Blick völlig harmlos oder alltäglich wirken, bei genauer Analyse auf verdrängte Wünsche und Triebe zurückzuführen seien. Für Freud liegt das daran, dass sexuelle Triebe gesellschaftlich stark unterdrückt werden und sich deshalb im Traum in indirekter, symbolischer Form ausdrücken. Diese Symbole, so seine Annahme, folgen einer Art gemeinsamer Bildsprache und ermöglichen es, verborgene Bedeutungen im Traum zu entschlüsseln. (5 vgl. S.40.f.)
Freuds Ansatz der Traumdeutung wurde häufig kritisiert. Eine Begründung dafür wäre eine einseitige Symbol-Interpretation und eine starke Fokussierung auf sexuelle Symbolik, da sie häufig andere emotionale, biografische oder kulturelle Dimensionen weniger berücksichtigen. Aus Sicht der empirischen Traumforschung ist Freuds Traumsymbolik heute bereits überholt. (6)
Analytische Psychologie (Jung):
Nach Freuds Annahmen gab es eine kontinuierliche Debatte über die Bedeutung von Träumen. Einen großen Beitrag dazu leistete Karl Jung mit seiner Vorstellung der Analytischen Psychologie. Für Jung sind Träume weniger vergangenheitsorientiert, sondern Wegweiser, da der oder die Träumende im Schlaf die Geschehnisse aus der aktuellen Lebenssituation verarbeitet. In der Analytischen Psychologie sind Träume also eher Spiegel der aktuellen emotionalen Landschaft auf dem Weg zur Sinnsuche. Diese äußert sich im Traum durch universelle Archetypen, deren Interpretation auch kollektive gesellschaftliche Prozesse miteinschließt, so Jung.
Individuelle Traumdeutung:
Wahrscheinlich kennst du das: Jemand erzählt dir eine Geschichte und es erinnert dich an Situationen aus deinem eigenen Leben. Wenn du beginnst, dich häufiger an deine Träume zu erinnern, wird das wahrscheinlich sehr oft der Fall sein. Neben den vorgezeichneten Wegen und Arten der Traumdeutung bemerkst du vielleicht einen weiteren sehr wertvollen Prozess in der Traumdeutung: deine Intuition! Du kennst dich am besten- oder wirst dich im Austausch mit dir selbst am besten kennenlernen! Vertraue darauf, dass du tief im Inneren bereits weißt, was dein Unterbewusstsein dir sagen will, es ist schließlich ein Teil von dir! Ich persönlich lasse mich gerne von verschiedenen Theorien und bekannten Symbolen der Traumdeutung leiten, doch nehme nicht alles wahr – oder passend für mich an. “Take what resonates and leave what doesn’t.” Zum Beispiel fasziniert mich das Symbol von Zügen in Träumen und die Idee, dass unsere Träume in unterschiedlichen Lebensphasen als Wegweiser agieren.(7) Hast du schon mal von einer Reise geträumt? Hast du den Zug oder Flug verpasst oder hattest du viel zu viel Gepäck dabei? Vielleicht musst du im echten Leben Gepäck abwerfen? Ich brauche in meinen Träumen zum Beispiel meistens mehrere Konfuse Tage, um für eine Reise zu packen. Ich würde denken, dass dies darauf hinweist, dass ich mehr Struktur und Klarheit anstreben sollte. (7)
Praxis Impulse fürs Traumtagebuch
Wenn du dir jetzt auch ein Traumtagebuch anlegen willst, dann sind hier noch ein paar kleine Tipps von mir:
Du wirst dich nicht immer an alles oder überhaupt an etwas erinnern. Das ist normal. Viele Faktoren beeinflussen deine Erinnerungsfähigkeit. Priorisiere guten Schlaf zwischen 8 und 9 Stunden und gehe rechtzeitig schlafen.
Vielleicht erinnerst du dich nicht direkt nach dem ersten Wach-werden, aber etwas später beim Frühstück. Schreib es trotzdem – oder gerade dann auf! So trainierst du deinen Erinnerungs-Muskel.
Es gibt kein richtig oder falsch: gestalte dein Tagebuch so, wie es sich für dich richtig anfühlt. In Stichpunkten, super Detailgetreu, nur eine Skizze und Überschrift… und so weiter. Ich lege meistens eine Seite mit Datum an und male eine kleine Skizze des am meisten hervortretenden Motivs des Traums. Dann gebe ich noch eine Überschrift und schreibe einfach alles, was klar in meinem Kopf ist, auf.
Mache Entspannungsübungen vor dem Einschlafen und setze die Intention, dich an deine Träume zu erinnern.
Das war es schon! Schreib gerne einen Kommentar unter diesem Artikel, um in den Austausch zu kommen!
Viel Spaß beim Träumen!
Dieser Text wurde OHNE Einsatz von KI geschrieben.
Quellen
1 Rubin, R. (2023). The creative act: A way of being. Penguin.
2 Schredl, M. 10.2 Traumerleben bei Männern und Frauen. Gehirn und Geschlecht, 190.
3 Psychoanalyse vs. Analytische Psychologie: Der Einsteiger-Leitfaden. – Mindful Praxis | Psychologie & Philosophie
4 Die Traumdeutung, Leipzig und Wien 1900
5 Freud, S. (1911). Über den Traum (Vol. 8). JF Bergmann.
6 Freud Traumdeutung Symbole: Die tiefere Bedeutung hinter unseren Träumen | Freiburger Bote
7 Riedel, I. (1997). Träume: Wegweiser in neue Lebensphasen. Kreuz Verlag.